Blog - Perspektiven für Senkrechtstarter

  • 07.06.2016 - Michael, Düsseldorf

    Erstprüfung!

    Wir haben gerade eine Erstprüfung einer großen Kapitalgesellschaft abgeschlossen. Unter Erstprüfung versteht man dabei nicht nur, dass eine Gesellschaft erstmalig geprüft wird, sondern auch ein Abschlussprüferwechsel stellt für den neuen Abschlussprüfer eine Erstprüfung dar.

    An eine Erstprüfung werden daher im Vergleich zu einer Folgeprüfung zusätzliche Anforderungen geknüpft. In erster Linie mussten wir uns entsprechende Kenntnisse von der Geschäftstätigkeit erarbeiten. Aus diesem Grund wird vor der eigentlichen Hauptprüfung, eine Vorprüfung durchgeführt. In der Vorprüfung  haben wir eine Unternehmensanalyse durchgeführt und uns sehr intensiv mit den wesentlichen Prozessen des Unternehmens beschäftigt. Ein umfangreiches Prozessverständnis hilft uns insbesondere mögliche Risiken zu identifizieren, die sich auf den Jahresabschluss auswirken können. Dabei haben wir nicht nur den Abschlussprozess sondern auch die operativen Prozesse wie Beschaffung und Verkauf detailliert analysiert und mit den Mandanten besprochen. Anhand von Beispielen, sogenannten „Walk-throughs“, sowie der Dokumentation des Unternehmens wird der Prozessfluss nachvollzogen. Während der Prozessaufnahme werden auch mögliche Fehlerquellen identifiziert, für die das Unternehmen jedoch bereits Kontrollen implementiert hatte. Entsprechend haben wir, die aus unserer Sicht wesentlichen Kontrollen getestet. Zum Abschluss der Vorprüfung hatten wir ein sehr gutes Verständnis von den Abläufen im Unternehmen und konnten unseren Prüfungsansatz für die Hauptprüfung an die Erfordernisse des Unternehmens anpassen.

    Die Hauptprüfung hatte dann den Fokus auf der Prüfung der abgebildeten Sachverhalte in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Neben den klassischen Prüfungsfeldern in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung waren auch Fragestellungen zu Factoring sowie Finanzierungleasing zu beurteilen, sodass keinerlei Langeweile aufkam. Nach Prüfung von Anhang und Lagebericht konnten wir die Prüfung mit der Erstellung des Prüfungsberichts abschließen. Als uns der Mandant die Vollständigkeitserklärung sowie den unterschriebenen Jahresabschluss zur Verfügung gestellt hat, haben wir den Prüfungsbericht ausgeliefert.

    Just in time und damit entsprechend des Zeitplanes des Mandanten, konnten wir die Prüfung abschließen!

    Bis bald.

  • 28.04.2016 - Julia, Frankfurt

    Wirtschaftsprüferin sein und Familie gründen geht nicht? Doch, geht!


    Wer diesen Blog in jüngster Zeit aktiv verfolgt hat, wird vielleicht gemerkt haben, dass ich eine kleine Pause eingelegt habe. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Im Oktober bin ich zum zweiten Mal Mutter geworden und genieße gerade die Elternzeit zu Hause mit meinem Sohn. Nichts desto trotz beschäftige ich mich schon wieder mit der Wirtschaftsprüfung. Ich plane gerade meinen Wiedereinstieg im Mai.
    Dabei spielen viele Faktoren eine positive Rolle bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf:


    1. Digitalisierung
    Heutzutage kann ich als Wirtschaftsprüferin von überall arbeiten, denn die Unterlagen vom Mandanten werden zumeist in digitaler Form übergeben und auch unsere Prüfungsdokumentation ist nicht mehr papierbasiert sondern digital und serverbasiert, sodass ich jederzeit von einem beliebigen Ort mit Internetzugang die Dokumente erstellen, ablegen und reviewen kann. Insbesondere der Review der von den Teammitgliedern erstellten Dokumente stellt eine Hauptaufgabe für mich als Managerin dar.


    2. Eigenverantwortlichkeit
    In meinem Job als Wirtschaftsprüferin profitiere ich von einer relativ freien Zeiteinteilung. Klar gibt es strikte Deadlines und Präsenztermine, die ich wahrnehmen muss und auch möchte. Dennoch kann ich unter Beachtung der Bedürfnisse des Prüfungsteams und Mandanten meine Zeit frei einteilen. Ob ich nun den Prüfungsbericht zwischen 16 und 18 Uhr schreibe oder diese Zeit lieber mit meinen Kindern verbringe, um dann den Rechner wieder anzuschalten, wenn die Kleinen im Bett sind, ist de facto ziemlich egal. Klar, für was ich mich entscheide, oder?


    3. Projektgeschäft
    Da die meisten Aufgaben, die ich als Managerin wahrnehme, Projektcharakter haben, ist Pausieren und Wiedereinsteigen leichter möglich als in anderen Berufen. Die Zuteilung von Projekten ermöglicht es zudem, auf die Bedürfnisse und Problemen von jungen Eltern stärker Rücksicht zu nehmen.


    4. Betriebskita
    Nicht zuletzt profitiere ich davon, dass KPMG U3-Plätze in einer Betriebskita zur Verfügung stellt. Diese befindet sich im gleichen Gebäude und erlaubt mir kurze Reaktionszeiten. Zudem haben diese Einrichtungen – im Gegensatz zu den meisten öffentlichen, kirchlichen und sonstigen Krippen und Kindergärten – günstigere Öffnungs- und weniger Schließzeiten.


    Und allen, die glauben, ist ja schön und gut, was die Julia da so macht, aber die hat ja dann sicherlich einen Mann, der in Teilzeit oder gar nicht arbeitet, sei gesagt: Nein, mein Mann arbeitet auch als Wirtschaftsprüfer in Vollzeit. Die Elternzeit haben wir uns beide Male geteilt – jeder 7 Monate. An dieser Stelle: Danke, Markus, für dein Verständnis und deine Unterstützung! Und an die (potentiellen) Väter in der Leserschaft: Auch ihr könnt einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, indem ihr Elternzeit nehmt. Und an alle Arbeitgeber: In der Elternzeit erlernt jede / jeder sehr wichtige Soft Skills. Nutzt das zu eurem Vorteil und fördert die jungen Eltern!


    Ich möchte alle – insbesondere junge Frauen – ermutigen, den Beruf des Wirtschaftsprüfers auch dann zu ergreifen, wenn Kinder geplant oder sogar schon vorhanden sind! Es findet sich immer ein Weg!

  • 24.03.2016 - Thorsten, Düsseldorf

    Land in Sicht!

    Der Beruf des Wirtschaftsprüfers hat doch gewissermaßen etwas von dem eines Seefahrers. Glauben Sie nicht? Lassen Sie uns doch einmal zusammen bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an Bord gehen.

    Die meisten Unternehmen erstellen ihren Jahresabschluss traditionell auf den 31. Dezember eines jeden Jahres. Aufgrund des Drucks der Kapitalmärkte, Gesellschafter und externen Kapitalgeber müssen die „Zahlen“ immer frühzeitiger veröffentlicht werden, damit unternehmerische Entscheidungen auf einer verlässlichen Datenbasis getroffen werden können.

    Doch zuvor müssen diese Zahlen erst noch durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft werden. Aus diesem Grund häufen sich die Abschlussprüfungen zu Jahresbeginn.

    Wie ein Kapitän die Route seines Schiffes zu den verschiedenen Häfen berechnet, plant der Wirtschaftsprüfer vor Beginn der „busy season“ seine Prüfungsaufträge, und stellt die Crew, die Prüfungsteams, zusammen. Mit dieser Arbeit beginnt er in der Regel schon im Sommer/Herbst des Vorjahres, wenn die Prüfungsaufträge durch die Mandanten erteilt sowie Fristen und Termine bekannt gegeben wurden.

    Anhand dieser Eckdaten wird eine erste Reiseroute, die zeitliche und personelle Einsatzplanung, erstellt. Im nächsten Schritt werden Überschneidungen möglichst reduziert sowie Pufferzeiten eingeplant, um eine möglichst realistische Planung zu erreichen.

    Doch wie auch auf hoher See, wenn ein Sturm aufkommt oder das Schiff auf Riff läuft, ist auch die Prüfungsplanung stets in Bewegung. Kurzfristig ergeben sich Verschiebungen, falls ein Mandant doch nicht wie geplant zur Prüfung bereit ist, ein Mitglied des Prüfungsteams krankheitsbedingt ausfällt oder Sondersachverhalte während einer Prüfung auftreten, die eine zeitintensivere Bearbeitung erfordern.

    Die Prüfungsaufträge sind zur „busy season“ dennoch eng getaktet, so dass die Prüfungsteams kaum Zeit im Büro verbringen. Oftmals haben die Mandanten ihren Sitz in einer anderen Stadt, so dass noch die Logistik der Reise und Unterbringung für das Prüfungsteam zu planen ist. So kommt es durchaus vor, dass man wie ein Seefahrer, der nach Tagen auf See zum ersten Mal Land sieht, erst nach Wochen wieder einmal das eigene Büro besucht.

    Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass gerade diese doch recht anstrengende Zeit die erfüllteste im Jahr ist. Die Interaktion mit den Mandanten und ihren unterschiedlichen Charakteren, die abwechslungsreiche und herausfordernde fachliche Arbeit sowie nicht zuletzt die verschiedenen Orte motivieren tagtäglich auf’s Neue.  Zudem schweißt die Arbeit die einzelnen Mitarbeiter zu einem Team zusammen. Wie eine Crew an Bord eines Schiffes hängt das Gelingen der Reise vom Zusammenhalt des Teams ab.

    Jetzt steht Ostern vor der Tür. Und wir Wirtschaftsprüfer rufen zum Ende der „busy season“: Land in Sicht!

  • 25.02.2016 - Christoph, Berlin

    Jahreszeit? Abschlussprüfung!

    Die Busy Saison hält die Abschlussprüfer voll in Beschlag. Die Tage werden länger, die Nächte kürzer. Und scheinbar ist kein Ende in Sicht…

    Als „Busy Saison“ bezeichnet die Branche im Allgemeinen den Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. März des Folgejahres. Üblicherweise fällt hier die Hauptlast unserer Tätigkeit an. Es mag zum einen daran liegen, dass der Jahresabschluss eines Großteils der Unternehmen in Deutschland tatsächlich mit dem Schluss des Jahres zusammenfällt. Zum anderen sehen gesetzliche Vorschriften je nach Größe eines Unternehmens einen relativ engen Zeitraum für die Aufstellung des Abschlusses und dessen Prüfung vor. Darüber hinaus hat sich in den vergangenen Jahren der Trend entwickelt, die Betrachtung des Vorjahres so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, um sich operativ dem neuen Geschäftsjahr zu widmen. Die zeitliche Straffung der Aufstellung und Prüfung eines Jahresabschlusses bezeichnet man hierbei als „Fast Close“.

    Die Busy Saison stellt die Prüfungsgesellschaften, die Wirtschaftsprüfer und unsere Mitarbeiter regelmäßig vor große Herausforderungen hinsichtlich Kapazitätsmanagement, Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit, wie auch Umgang mit zeitlichem Druck und Stress. Durch Vorverlagerung von Prüfungshandlungen vor den eigentlichen Bilanzstichtag versuchen wir, den anfallenden Prüfungsaufwand ein wenig breiter zu streuen. Auch ich bin mit meinen Prüfungsteams regelmäßig bereits im November und Dezember bei meinen Mandanten vor Ort, um erste Prüfungshandlungen, insbesondere hinsichtlich Ausgestaltung und Funktionsweise interner Kontrollen, oder auch die Prüfung spezieller Bilanzpositionen auf einem vorgelagerten Stichtag durchzuführen. Schlussendlich fällt jedoch der Schwerpunkt unserer Tätigkeit in den Monaten Januar bis März an.

    Hier zeigt sich eine Besonderheit des Berufsbildes. Ohne zeitlichen Mehraufwand, klare Planung und Organisation kann eine Busy Saison eine harte Herausforderung werden. Die Bereitschaft aller Mitarbeiter, wie letztlich auch der Mitarbeiter unserer Mandanten, ermöglicht es uns jedoch, diese Zeit zu überstehen. Diese Bereitschaft gilt es zu würdigen, auch durch besondere Beschäftigungsmodelle. Die KPMG schreibt jede geleistete Überstunden den Mitarbeitern zu, verbunden mit der klaren Zielsetzung, diese im Sommer „abzufeiern“. Über das Jahr betrachtet soll sich die Arbeitszeit in der Wirtschaftsprüfung damit ausgleichen. In aller Regel gelingt uns das auch.

    Der Februar ist jetzt fast vorbei, jetzt zeigt sich Durchhaltevermögen. In meiner Erfahrung beginnt eine Busy Saison ohne Ankündigung, plötzlich hat der Wahnsinn begonnen, ein Ende ist nicht in Sicht, eine schier endlose Fahrt auf einer dunklen Straße. Und plötzlich eine Abbiegung. Ein heller Punkt. Prüfungsberichte werden geschrieben, Schlussbesprechungen angesetzt, letzte Fragestellungen diskutiert… Und dann… die Unterschrift des Wirtschaftsprüfers unter das Testat. Licht. Geschafft. Der Schalter wird umgelegt, ein letzter Feinschliff durch die Prüfungsdokumentation. Alltag kehrt ein. Und so schnell wie alles begonnen hat, ist es vermeintlich auch schon wieder vorbei. Wenn ich zu diesem Zeitpunkt in die Gesichter meiner Mitarbeiter blicke, erkenne ich Erschöpfung, aber auch Stolz. Stolz darauf, etwas geschafft zu haben. Sich durchgebissen zu haben. Und irgendwie das Gefühl, gemeinsam etwas bewegt zu haben.

    Wie alles im Leben hat die Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer Licht und Schatten, die Busy Saison zu meistern ist eine Herausforderung und dies zu schaffen ein Gefühl, dass nur unser Berufsstand garantiert.

  • 28.01.2016 - Michael, Düsseldorf

    Interims Management, können wir auch!

    Heute erreichte mich die Anfrage ob wir auch den Job als Interims Manager übernehmen können. Hört sich spannend an, dachte ich und habe zugesagt.

    Zum Hintergrund: Das Unternehmen wurde kürzlich erworben und der Leiter Rechnungswesen hat das Unternehmen bereits verlassen. Da dieses in der nahen Zukunft liquidiert werden soll, soll kein neuer Leiter Rechnungswesen eingestellt werden. Das Kick off Meeting war bereits am nächsten Tag in Frankfurt am Main. Hier wurde die Marschroute für die Erstellung des Monatsabschlusses zum 30. November sowie des Jahresabschlusses zum 31. Dezember festgelegt. Sicher fragt Ihr Euch, welche Aufgaben ich übernehme. Diese sind wie vieles in meinem Job sehr vielfältig.

    Meine Aufgaben beziehen sich neben der Koordination der anfallenden Arbeiten, auf die Durchführung diverser Buchungen (u.a. Anlagevermögen, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen). Zudem führen wir eine Abstimmung der Kontensalden in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung mit anderen Konzernunternehmen durch. Auch die Ermittlung der diversen Rückstellungen fällt in meinen Aufgabenbereich. Des Weiteren die Erstellung der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang mit Anlagespiegel und Lagebericht gemäß den gesetzlichen Vorschriften des Handelsgesetzbuches. Schlussendlich noch die Betreuung der Jahresabschlussprüfung sowie die Kommunikation mit der amerikanischen Muttergesellschaft.

    In diesem Zusammenhang betreue ich ein Team von rund 5 Mitarbeitern im Bereich Rechnungswesen und Controlling vor Ort. Ich bin jede Woche mindestens zwei Tage vor Ort. Zum Jahresabschluss waren es ein paar Tage mehr, da neben der Erstellung auch die Dokumentation für die kommende Jahresabschlussprüfung erstellt werden musste.

    Aktuell sind wir mitten in der Jahresabschlussprüfung und es häufen sich die Fragen der Prüfer. Gott sei Dank, haben wir gut vorgearbeitet und können die Unterlagen schnell zur Verfügung stellen, sodass die Prüfung bis jetzt reibungslos läuft. Jetzt steht auch schon wieder der Monatsabschluss Januar vor der Tür. Da kommt gerade eine weitere Anfrage der Prüfer. Weiter geht es! Bis bald! 

  • 07.01.2016 - Thorsten, Düsseldorf

    Weihnachten bei den Wirtschaftsprüfern

    Am letzten Arbeitstag vor Weihnachten halten wir einen Moment inne. Das Jahr 2015 ist fast vorbei und wir blicken auf eine ereignisreiche Zeit mit neuen Mandaten und spannenden Aufträgen zurück.

    Wie in den letzten Jahren richten auch in diesem Jahr unsere Berufsanfänger ein weihnachtliches Frühstück für das ganze Audit Team aus. Zum letzten Mal sitzt man mit den Kollegen zusammen, bevor es in den Weihnachtsurlaub oder auf die letzten Inventuren des Jahres geht. Da spricht man dann auch nicht mehr unbedingt über die Arbeit, sondern viel lieber über das bevorstehende Weihnachtsfest oder wo man Silvester verbringen wird.

    Die Ruhe der letzten Arbeitsstunden habe ich dieses Jahr genutzt, um einmal mit unseren Berufsanfängern zu sprechen, was für sie die entscheidenden Punkte waren, in die WP-Branche, insbesondere bei einem mittelständischen Unternehmen wie dem unseren, einzusteigen.

    Einige Punkte wurden dabei immer wieder angeführt. An erster Stelle steht die Vielseitigkeit in der WP-Branche. Anders als beispielsweise die Kollegen aus der Steuerabteilung, die im Wesentlichen aus dem Büro heraus arbeiten, sind die Mitarbeiter aus dem Audit Team bei unseren Mandanten vor Ort und nur gelegentlich im Büro. Die jungen Kollegen gaben an, dass gerade in dieser Auswärtstätigkeit einer der Reize des Berufes liegt. Man lernt innerhalb kurzer Zeit neue Orte und Menschen kennen.

    Ebenso spannend sind die unterschiedlichen Menschen, mit denen man tagtäglich interagiert. Zum einen sind da die eigenen Kollegen, die in der Regel von Mandat zu Mandat wechseln, so dass man nicht durchgängig mit den gleichen zwei oder drei Personen unterwegs ist. Insbesondere auf den Hotelmandaten verbringt man dann auch die Feierabende miteinander, wodurch besonders im Audit Team eine enge Gemeinschaft wächst.

    Aufgrund der wechselnden Einsatzorte lernt man als Berufseinsteiger auch auf der Mandantenseite immer wieder neue Charaktere kennen und auch mit schwierigen Charakteren professionell umzugehen.

    Auch wenn man anfangs nur abgegrenzte Teilbereiche bearbeitet und es noch einiges zu lernen gibt, erhält man als Berufsanfänger bei einer mittelständischen Prüfungsgesellschaft schnell einen ganzeinheitlichen Einblick in die verschiedensten Unternehmen und Branchen. Wie ein Kollege sagte: Man ist auf Augenhöhe mit dem Mandanten und spricht mit dem Leiter Rechnungswesen oder dem Geschäftsführer.

    Insbesondere diese Kombination aus Zahlen, Daten, Fakten einerseits und die Interaktion mit verschiedenen Kollegen und Mandanten andererseits ist es, was die jungen Kollegen am meisten an dem WP-Beruf reizt. Die Vielseitigkeit und die Nähe zum Mandanten waren für viele von ihnen ausschlaggebend für den Einstieg in eine mittelständische Prüfungsgesellschaft.

    Mit Blick auf das neue Jahr kann ich den jungen Kollegen versichern, dass sie in dieser Hinsicht auch in 2016 nicht enttäuscht werden. Die Einsatzplanung für das erste Halbjahr ist vielversprechend. Langeweile wird hier sicher nicht aufkommen.

    So kommt dann auch das nächste Weihnachtsfrühstück sicher wieder schneller als erwartet.

  • 23.11.2015 - Julia, Frankfurt

    Fortbildung – lebenslanger Kernbestandteil einer WP-Karriere

    Ein Jahr neigt sich dem Ende entgegen: Zeit zu überprüfen, ob dieses Jahr die fachliche Fortbildung nicht zu kurz gekommen ist. Denn nach unserer Berufssatzung soll diese einen Umfang von 40 Stunden jährlich nicht unterschreiten.

    40 Std, d.h. eine ganze Woche pro Jahr ist dabei das Minimum. Insbesondere zu Beginn der beruflichen Laufbahn in einer WP-Gesellschaft geht es darüber oft weit hinaus! Neben dem Training on the Job, d.h. der Anleitung und Begleitung durch erfahrene KollegInnen bei den Prüfungen vor Ort beim Mandanten, bilden Präsenzschulungen einen wichtigen Bestandteil des Jahresplans angehender Wirtschaftsprüfer. Aufgrund der Busy Season haben bei mir die meisten Kurse in den Sommermonaten stattgefunden. Neben Prüfungstechniken und Neuregelungen der Rechnungslegung stand hier auch immer der persönliche Austausch mit Kollegen im Vordergrund – gerne auch mal bei einem Bierchen abends am Grill.

    Rekordjahre in puntco Fortbildung waren bei mir die Jahre vor den Berufsexamina. Hier konnte ich – dank umfangreicher Examensförderung durch meinen Arbeitgeber in Form von finanziellen Zuschüssen und Freistellungszeiten – mein individuelles Programm aus Vorbereitungskursen externer Anbieter und Selbststudium zusammenstellen. Jeder Mensch ist ein anderer Lerntyp. Das zeigt sich einmal mehr in der Vorbereitung auf die Examina. Ich bin Präsenzlerner und habe daher fleißig Kurse besucht. Manche Kollegen sind Autodidakten und haben lieber zu Hause Lehrbriefe bearbeitet. Jeder so, wie er mag. Das Ergebnis zählt: Examen bestanden.

    Aber nach dem Examen ist nicht Schluss mit Lernen. Aktuelle Gesetzesneuerungen (z.B. aktuell das BilRuG) fordern uns als Wirtschaftsprüfer ständig auf dem Laufenden zu bleiben, um den Mandanten kompetent zur Seite stehen zu können. Zusätzlich bin ich inzwischen selbst Dozentin bei unseren Fortbildungskursen und gebe so mein Wissen an junge Kollegen und Kolleginnen weiter. Aber auch die schriftstellerische Facharbeit gilt als fachliche Fortbildung. Meinen Beitrag hierzu habe ich zuletzt im Bereich Compliance geleistet.

    Neben den gesetzlich bzw. in der Berufssatzung geforderten fachlichen Fortbildungsstunden sind es oft die sogenannten Soft Skill Kurse, die mich persönlich in meiner Entwicklung weiter gebracht haben. Als Wirtschaftsprüferin bin ich in Teams tätig, die oft multidisziplinär zusammengestellt sind. Das ist oft eine Herausforderung und es hilft, hier die richtigen Tools und Tricks zu kennen. Auch das professionelle Präsentieren beim Mandanten will nicht nur geschult sondern auch geübt sein. All dies sind Fähigkeiten, die man als WP benötigt. Denn man sitzt eben nicht allein in der stillen Kammer und brütet über den Zahlen.

    Nicht zuletzt der Ausblick auf diese umfangreichen Fortbildungsmöglichkeiten war es, der mich am Ende meines Studiums dazu bewegt hat, den Berufsweg WP einzuschlagen. In welchem anderen Job erhält man so umfangreiche fachliche wie persönliche Förderung durch Fortbildung – und das ein Arbeitsleben lang??

    Für dieses Jahr habe ich das Minimum jedenfalls mal wieder locker erfüllt – und über den Jahreswechsel überlege ich dann, welche fachlichen Fortbildungsschwerpunkte ich in 2016 setzen möchte.

  • 20.10.2015 - Christoph, Berlin

    Also doch kein Erbsenzählen…

    Viel wird derzeit diskutiert über das Berufsbild und die Zukunft des Wirtschaftsprüfers. Erbsenzähler sei man, Haken machen kann doch jeder heißt es. Die Tätigkeit ist eintönig und doch jedes Jahr die gleiche. In Zukunft übernehmen Computer meinen Job, möchte eine renommierte Universität herausgefunden haben. So wie es in der einleitenden Erzählung einer äußerst populären Fantasy-Abenteuerverfilmung heißt, wird Geschichte dabei oft zu Legende, und Legende zu Mythos.

    Es stimmt wohl, das Wirtschaftsprüferexamen gehört sicherlich nicht zu den leichteren Übungen in der heutigen Arbeitswelt. Die persönlichen und qualitativen Zulassungskriterien wirken bereits einschüchternd, der Umfang des Examens erledigt den Rest. Nichts für schwache Nerven, aber sehr wohl für Charaktere, die dafür kämpfen wollen, in einem der spannendsten und herausforderndsten – und ganz nebenbei zukunftssichersten – Berufe der Welt arbeiten zu wollen.

    Zu den originären Aufgaben des Wirtschaftsprüfers zählt die Durchführung der gesetzlichen Abschlussprüfung und Erteilung bzw. Versagung eines Bestätigungsvermerks über die Vornahme und das Ergebnis einer solchen Prüfung. Man spricht hierbei von einer Vorbehaltsaufgabe des Wirtschaftsprüfers, da es nur ihm obliegt, dies zu tun. Aber was bedeutet Prüfen eigentlich? Prüfen bedeutet mehr als Haken an Zahlengräber zu setzen. Prüfen heißt hinter die Kulissen zu schauen, prüfen heißt verstehen, und zwar alles! Angefangen vom Geschäftsfeld des zu prüfenden Unternehmens, die internen Strukturen, das interne Kontrollsystem, die Geschäftsvorfälle und letztlich natürlich deren bilanzielle Abbildung, und das ziemlich häufig auch gleich nach unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards. Einen tieferen Einblick hinter die Kulissen der Wirtschaft erhält man in keinem anderen Beruf. Prüfen bedeutet aber auch Interaktion und Kommunikation, an verschiedenen Standorten, bei unterschiedlichsten Mandanten, innerhalb des Teams, innerhalb des eigenen Unternehmens, und insbesondere auch mit herausfordernden Persönlichkeiten bis hin zur höchsten Leitungsebene des Mandanten. Das Spektrum der Themen ist dabei ebenso weitläufig wie spannend.

    Ich hatte im Jahr 2009 im Geschäftsbereich Audit Financial Services der KPMG begonnen und war dabei vorwiegend bei Jahresabschlussprüfungen im Banken- und Immobilienfondbereich eingesetzt. Im Jahr 2014 bin ich in die Prüfung von Industrieunternehmen gewechselt und betreue hier im Wesentlichen Unternehmen im Segment Telekommunikation und Kabelnetzbetrieb, sowie alles rund um die Immobilie. Neben der klassischen Jahresabschlussprüfung unterstützt unser Team derzeit die Kapitalmarktaktivitäten eines der drei größten Unternehmen seiner Branche. Hierzu zählen insbesondere Unterstützungsleistungen im Rahmen von Financial Due Diligences sowie die Prüfung von Pro-Forma-Finanzinvestitionen und Erstellung eines Comfort Letter für das Börsenprospekt gemäß Wertpapierprospektverordnung. Mit der Prüfung eines Finanzdienstleisters oder einer Bank hat dies sicherlich nicht viel zu tun, aber es ist von Vorteil, aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre die Sprache der Banken zu verstehen und worauf diese bei großen Kapitalmarkttransaktionen Wert legen und in welchen Risikokategorien diese denken. In der vergangenen Woche haben wir noch mit der Rechtsabteilung unseres Mandanten über Formulierungen des Kaufvertrags hinsichtlich steuerlicher Risiken im Rahmen einer Unternehmenstransaktion diskutiert, um in dieser Woche mit der Fachabteilung Rechnungswesen und Reporting die Abbildung der Transaktionskosten und finanzieller Verbindlichkeiten nach IAS 39 sowie die Ermittlung des zugrunde liegenden Effektivzinssatzes aufgrund diverser unterschiedlicher Gebühren und Kondition eines Darlehensvertrags zu erörtern.

    Obwohl ich bereits seit 2009 im Bereich Audit aktiv bin, glich bisher keine Prüfungssaison der anderen. Die einzelnen Themen und Aktivitäten unserer Mandanten sind so vielseitig, dass jede Saison gefühlt die erste ist. Natürlich sind auch ab und an mal Haken nötig, spätestens wenn man die letzte finale Bilanz mit den zugrundeliegenden Werten abstimmt, um sicherzugehen, dass auch alles passt. Aber Erbsen zählen musste ich bisher noch nicht. Sobald sich mir die Gelegenheit hierzu bietet, werde ich aber gern davon berichten.

  • 18.09.2015 - Michael, Düsseldorf

    Verschmelzungen, na und?

    Heute habe ich das Thema von diversen Verschmelzungen eines unserer Mandate auf den Tisch bekommen. Sicherlich stellt man sich hierunter kein schwieriges Themenfeld vor.

    Was passiert bei einer Verschmelzung?

    Wie es das Wort bereits sagt, werden zwei oder mehr Unternehmen miteinander verschmolzen. Dies hört sich generell sehr einfach an, aber Ihr könnt Euch denken, ein „Aber“ gibt es immer.

    Eine Stellungnahme zur Rechnungslegung des Instituts der Wirtschaftsprüfer, genauer der IDW RS HFA (für „Hauptfachausschuss“) 42 stellt die unterschiedlichen Facetten für Verschmelzungen dar. Neben den rechtlichen Punkten einer Verschmelzung im Hinblick auf Verschmelzungsstichtag, Aufstellung Schlussbilanz etc. ist insbesondere zu unterscheiden, um welche Art der Verschmelzung es sich handelt. Mutter auf Tochter, Tochter auf Mutter oder Tochter auf Tochter. Entsprechend ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen in der Rechnungslegung des übernehmenden Rechtsträger. Dabei habe ich die Verschmelzung von Tochterunternehmen sowie die Verschmelzung von einem Tochterunternehmen auf das Mutterunternehmen zu würdigen. Wichtig ist hier der Ansatz der Vermögenswerte und Schulden beim übernehmenden Rechtsträger, da dies weitreichende Konsequenzen hat.  Wie dies durchgeführt werden soll,  wird häufig im Verschmelzungsvertrag geregelt. Der Ansatz der Vermögenswerte und Schulden sollte im Vorfeld aufgrund der Auswirkungen auf die Rechnungslegung des übernehmenden Rechtsträger sorgfältig abgewogen werden. Es ergeben sich unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten zum einen nach dem allgemeinen Anschaffungskostenprinzip, zum anderen unter Verwendung der Buchwertverknüpfung.

    Zudem kann geregelt werden, ob eine Kapitalerhöhung durchgeführt wird oder nicht. In den meisten Fällen wird häufig auf eine Kapitalerhöhung verzichtet. In meinem Fall liegt eine Verschmelzung in Form einer Sacheinlage (Einlage eines Unternehmens) mit Kapitalerhöhung vor. Zudem werden noch Zeitwerte aufgedeckt. Hieraus ergeben sich nun weitere steuerliche Fragestellungen die als nächstes zu würdigen sind, da auch bei den verschiedenen Transaktionen noch ein Auseinanderfallen der Behandlung in der Handelsbilanz zur Steuerbilanz denkbar ist.

    Wie Ihr seht, ist die Themenvielfalt allein bei dieser Aufgabenstellung groß. Ich mache mich daher wieder an die Arbeit. Bis bald.

  • 19.08.2015 - Julia, Frankfurt

    Wirtschaftsprüfung – das ist mehr als das Erteilen von Bestätigungsvermerken zu Jahres- und Konzernabschlüssen!

     

    Mir persönlich ist das allerdings erst so richtig bewusst geworden, als ich nach bestandenem WP-Examen im Oktober 2012 zur Managerin befördert wurde und gleichzeitig die interne Abteilung gewechselt habe. Ab sofort stand auf meiner Visitenkarte: Audit – Governance & Assurance Services.

    Während ich mich bisher nur theoretisch (nachzulesen z.B. bei der WPK) oder am Rande (mein Abschlussprüfungsmandant brauchte eine Bescheinigung vom WP) damit beschäftigt habe, was der Wirtschaftsprüfer nach § 2 WPO noch so alles darf und kann, prägte die Vielfalt der Auftragsvarianten ab sofort meinen Arbeitsalltag. Von jetzt an war keine Mandantenanfrage wie die vorherige, kein Auftrag exakt so wie der vorherige. Und ganz nebenbei gab es für mich auf einmal keine Busy Season mehr.


    Aber ganz langsam und von vorne: Viele werden sich fragen: Wieso Abteilungswechsel? Was hast du denn vorher gemacht?


    Nach meinem – recht allgemeinen, aber mit den Schwerpunkten Rechnungswesen, Controlling und Finanzen doch im weitesten Sinne auf Zahlen ausgerichteten – BWL-Studium habe ich im Oktober 2006 meinen Berufseinstieg in der Wirtschaftsprüfung gewagt. Ab dem ersten Tag war ich bei Jahres- und Konzernabschlussprüfungen im Einsatz. Eine Zeit, in der ich – nicht zuletzt dank Training on the Job und vielen geduldigen Kollegen – sehr viel von unserem Kerngeschäft gelernt habe. Mein Fokus lag auf der Betreuung von sogenannten Commercial / Corporate Clients, d.h. Unternehmen, die weder Banken noch Versicherungen sind. Die Vielfalt der Branchen und Unternehmensformen, in denen ich tätig war, sorgte dabei – trotz des wiederkehrenden Charakters der Aufgaben – für Abwechslung.


    Und was machst du nun?


    Im weitesten Sinne bin ich immer noch Prüferin und werde es in meinem Herzen wohl auch immer bleiben – doch das Betrachtungsobjekt ist oftmals nicht der Jahres- oder Konzernabschluss sondern z.B. das Compliance Management System des Mandanten, dessen Wirksamkeit wir nach IDW PS 980 prüfen oder der Einkaufsprozess, den wir im Auftrag der Internen Revision des Mandanten unter die Lupe nehmen. Daneben landen aber auch immer wieder andere Anfragen auf meinem Schreibtisch: Gutachterliche Stellungnahmen zu handelsrechtlichen Bilanzierungsfragen, Werthaltigkeitsbescheinigung im Rahmen einer Sacheinlage, Prüfung eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags, Bestätigung einer Kennzahl zur Eintragung ins Guinness Buch der Rekorde  und vieles mehr. Mein jetziges Betätigungsfeld verspricht gute Zukunftsperspektiven: Vor dem Hintergrund der EU Audit Reform und der hieraus resultierenden externen Rotationspflicht sind insbesondere für die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften die Aufträge „jenseits der Jahresabschlussprüfung“ wichtiger denn je. Zudem wächst bei unseren Mandanten – egal ob DAX 30 oder Mittelstand  – das Bewusstsein für Corporate Governance Themen und damit das Sicherheitsbedürfnis. Hier können wir als Wirtschaftsprüfer einiges tun.


    Ihr seht: Der WP-Beruf ist alles andere als langweilig!

  • 28.07.2015 - Thorsten, Düsseldorf

    Die Lehrjahre sind vorbei, nun haben Sie es geschafft!

    Dieser Satz aus dem Munde eines Mitglieds der Prüfungskommission nach der bestandenen mündlichen Prüfung des Wirtschaftsprüferexamens klingt mir heute noch in den Ohren. Das war im Dezember 2011.

    Mehrere Prüfungssaisons sind seitdem vergangen. Doch ausgelernt hatte ich deswegen dann doch noch nicht. Denn nun standen Themen an, über die man in den Vorbereitungskursen zum Examen nichts hört und zu denen es kein Skript gibt.

    Gleich nach meiner Bestellung als Wirtschaftsprüfer wurde mir die Auftragsverantwortung für die Jahresabschlussprüfung bei einigen Mandaten zugeteilt. Aber was wurde in der neuen Rolle von mir erwartet? Als auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer bin ich für die operative Durchführung der gesamten Abschlussprüfung von der Planung bis zur Berichterstattung verantwortlich. Das erfolgreich abgelegte Examen dokumentiert jedoch nur, dass man von der fachlichen Seite auch ausreichend dazu befähigt ist.

    Die Prüfung lebt aber von dem Zusammenspiel der verschiedenen Beteiligten. Zunächst gilt es, ein Prüfungsteam zusammenzustellen, anzuleiten und unterschiedliche Charaktere zu einer Einheit zu formen. Welche Aufgaben kann ich welchem Teammitglied übertragen? Wie motiviere ich das Team? Wie beurteile und bewerte ich die Leistungen des Teams, um eine sachliche Kritik üben zu können?

    Von zentraler Bedeutung sind der Mandant und seine Zufriedenheit. Im Bereich der Abschlussprüfung ist dies bisweilen ein schwieriges Unterfangen. Auf der einen Seite steht der gesetzlich normierte Prüfungsauftrag, auf der anderen Seite der Servicegedanke, der dem Mandanten einen Mehrwert über die Prüfung hinaus bieten soll. Wirtschaftsprüfer benötigen daher ein besonderes Einfühlungsvermögen in die jeweilige Situation. Wie verteidige ich gegenüber dem Mandanten die Feststellungen des Prüfungsteams, auch wenn der Mandant gleich mit dem Mandatsentzug droht? Wie trete ich auf, um vom Mandanten auch schon in jungen Jahren akzeptiert zu werden, ohne überheblich aufzutreten? Was kann ich tun, damit der Mandant einen Mehrwert aus der Prüfung gewinnt und unsere Leistung wertschätzt?

    Das sind nur ein paar Beispiele, die zeigen, welche Bedeutung Soft Skills für einen Wirtschaftsprüfer haben. Sicherlich, nicht jedermann bringt alle diese Fähigkeiten mit. Auch ich war froh, von erfahrenen Kollegen viele gute Tipps bekommen zu haben. Auch der Besuch von Soft-Skill-Schulungen zu Themen, wie Präsentationstechniken oder Verhalten in schwierigen Gesprächssituationen haben dazu beigetragen, die neue Rolle anzunehmen und erfolgreich auszufüllen.

    Für mich wurde dadurch eines klar: Es sind nicht nur die fachlichen Seiten des Wirtschaftsprüferberufes, sondern vor allem die Menschen, die den Job ausmachen.

  • 09.06.2015 - Markus, London

    Das IFRS Global Office arbeitet eng mit der globalen Learning Abteilung für Wirtschaftsprüfung (Global Audit Learning) zusammen.

    Global Audit Learning ist eine internationale Stabsstelle von Deloitte, die sich mit allen weltweiten Aus- und Weiterbildungsprogrammen in der Wirtschaftsprüfung befasst. Dazu gehören neben der Organisation von Trainingsveranstaltungen auch die Erstellung und Betreuung elektronischer Lernmodule.

    Eine wichtige Aufgabe kommt dem IFRS Global Office und den nationalen IFRS-Fachabteilungen bei der Erstellung von Trainingsmaterialen zu, sofern diese IFRS-Inhalte enthalten. So habe ich beispielsweise kürzlich das elektronische Trainingsmodul für die Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten aktualisiert. Dies war notwendig, da der neue Standard für die Bilanzierung von Finanzinstrumenten (IFRS 9) inzwischen in der endgültigen Fassung vom IASB verabschiedet wurde.

    Daneben helfen wir Global Audit Learning auch bei der Durchführung von Trainingsaktivitäten. So findet beispielsweise einmal jährlich eine Zusammenkunft der Deloitte IFRS-Spezialisten in der EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) statt. Während Global Audit Learning die Organisation dieses Meetings übernimmt, stellen das IFRS Global Office und die nationalen IFRS-Fachabteilungen der EMEA-Region das Trainingspersonal, welches im Vorfeld auch die Inhalte festlegt.

    Das diesjährige Treffen fand erst kürzlich in Brüssel statt und war in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil des Treffens gab eine Übersicht über neue Entwicklungen im IFRS-Bereich. In diesem Rahmen wurden auch Zweifelsfragen der IFRS-Rechnungslegung vorgestellt, die sich seit dem letzten Treffen (beispielsweise aus Sachverhalten bei Mandanten) ergeben haben. Zu diesen wurde jeweils im Anschluss daran die Position des Global IFRS Leadership Teams präsentiert. Das Global IFRS Leadership Team ist bei Deloitte die höchste fachliche Instanz im IFRS-Bereich. Es setzt sich zusammen aus dem Global IFRS Leader und den Abteilungsleitern der neun größten nationalen bzw. regionalen Fachabteilungen. Dabei ist eine globale Ausgewogenheit gewährleistet: Für EMEA sind beispielsweise die nationalen Abteilungsleiter von Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich vertreten.

    Im zweiten Teil des Meetings wurden durch interaktive Fallstudien Inhalte zu neuen und geänderten IFRS-Standards vermittelt. Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt solcher Treffen ist die Möglichkeit, sein internationales Netzwerk innerhalb der IFRS-Spezialisten auszubauen und zu pflegen.

  • 05.05.2015 - Claudia, Augsburg

    Die Digitalisierung schreitet an allen Orten voran. Jeder kennt selbst die Vorteile der papierlosen Zeit. So konnte ich in den letzten Wochen eines meiner größeren Mandate bei der Einführung einer beleglosen Papierablage und OCR-Erkennungssoftware beraten. Dabei steht OCR für die optische Texterkennung innerhalb von Bildern.

    Als Wirtschaftsprüfer war ich sowohl Ansprechpartner für das Unternehmen als auch für den Softwarehersteller. Aus Sicht des Wirtschaftsprüfers galt es zu erkennen, an welchen Prozesspunkten sich Veränderungen ergeben und inwieweit bisher nicht IT-gestützte-Prozesse digitalisiert werden. Meine Erkenntnisse der bisherigen Prüfungen des internen Kontrollsystems in den Vorjahren konnte ich maßgeblich mit einfließen lassen.

    Zur weiteren Effizienzsteigerung plant das Unternehmen nach einer Startphase auch die Einführung des sogenannten ersetzenden Scannens. Spätestens dann sind sowohl die gesetzlichen Anforderungen des HGB als auch des Steuerrechts zu beachten. Wegen der Vernichtung der Originalbelege stellen sich an die Archivierung und den Scan-Prozess ganz entscheidende Anforderungen.

    Spätestens anhand des Zeitaufwands, den ich in Projektgruppen mit den Verantwortlichen verbrachte, wird die Wichtigkeit der ordnungsgemäßen Einführung sichtbar. Könnte man handelsrechtlich nur wegen der Ordnungsmäßigkeit der Buchführung Bedenken haben, so ergeben sich aufgrund der Einhaltung der steuerlichen Belegnachweisen bei einem Verstoß erhebliche finanzielle Konsequenzen für das Unternehmen; zum Beispiel beim Nachweis einer steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung. Bei einigen Spezialfragen musste ich daher auch mit den Finanzbehörden in Kontakt treten, weil sich deren Verwaltungsauffassung (Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen) zum Zeitpunkt der Beratung noch nicht gefestigt hatte.

    Insgesamt ergab sich für mich während der Durchführung des Projekts eine sehr intensive Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, IT-Softwarehersteller und Finanzbehörde.  Seit ein paar Wochen ist das System im „Live-Betrieb“ und der Mandant ist mit der Effizienzsteigerung sehr zufrieden. Auch die Mitarbeiter sind mittlerweile von den positiven Seiten des papierlosen Schreibtisches begeistert.

  • 26.03.2015 - Matthias, New York

    In meinem letzten Beitrag möchte ich von einer ganz besonderen Woche im Januar berichten – das Weltwirtschaftsforum in Davos. Doch von Anfang an: Bei Wirtschaftsprüfern denkt man häufig an betriebswirtschaftliche Prüfungen, wie zum Beispiel die typische Jahresabschlussprüfung, und vielleicht noch an die Beratung in steuerlichen Angelegenheiten. Laut Wirtschaftsprüferordnung sind Wirtschaftsprüfer aber unter anderem auch zur Beratung in sonstigen wirtschaftlichen Angelegenheiten befugt.

    Alle großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben daher auch Beratungsabteilungen. Auch für viele selbständige Wirtschaftsprüfer gehört die Beratung ihrer Kunden zum täglichen Geschäft. Natürlich besteht das Verbot der Selbstprüfung. Man darf daher nur in den Dingen beraten, die man nicht selbst als Prüfer zu beurteilen hat. Dies ist ein unumstößlicher Grundsatz. Die Beratung kann die Qualität einer Prüfung erhöhen. Wenn Berater mit Spezialkenntnissen im gleichen Unternehmen arbeiten, können diese auch für die Prüfung als Experten ins Prüfungsteam eingebunden werden. Berät man ein Prüfungsmandat, kann man zusätzliche Kenntnisse sammeln, die in der Prüfung hilfreich sind.

    Als Wirtschaftsprüfer reicht es nicht, sich nur mit Zahlen und Bilanzierungsregeln auszukennen. Ein grundlegendes Verständnis für das Geschäftsmodell der Kunden ist genauso wichtig wie ein Verständnis von aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Dementsprechend trifft man beim alljährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos, von dem ausführlich in den Medien berichtet wird, auch auf Vertreter der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

    Es ist eine einzigartige Gelegenheit, mit Vorständen von Kunden und potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen und sein persönliches Netzwerk aufzubauen. Das trifft nicht nur auf die Teilnehmer des Wirtschaftsforums zu, sondern auch auf deren Supportteams, zu denen ich gehöre. Davos ist keine große Stadt und dementsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, bekannte Politiker oder Wirtschaftslenker im Aufzug oder bei Abendveranstaltungen zu treffen. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt, wobei es neben dem Hauptevent im Januar auch noch regionale Konferenzen in anderen Ländern gibt.

    Es gibt offizielle und inoffizielle Vorträge und Diskussionen, in denen aktuelle Entwicklungen diskutiert werden. Dies findet zum einen innerhalb spezifischer Industriegruppen statt, so sind Wirtschaftsprüfer zum Beispiel in der Professional Services Industry Group vertreten. Andere Diskussionen finden industrieübergreifend statt. Dort geht es um die Entwicklungen in bestimmten Ländern, um die Auswirkung von Trends wie der Digitalisierung oder der anhaltenden Regulierung auf Unternehmen, um die Auswirkung von politischen Ereignissen aber auch um soziale und umweltrelevante Themen.

    Nach dem Forum startet dann die Nachbereitung. Die verschiedenen Herausforderungen und Unsicherheiten der Unternehmen sollten sowohl den Prüfern bekannt sein, um sie im Rahmen der Prüfung zu würdigen. Genauso können Wirtschaftsprüfer hierzu aber auch Beratungslösungen entwickeln um diese den Kunden anzubieten.

    Wie in der Einleitung angedeutet, ist dies mein letzter Blogeintrag. In absehbarer Zeit werde ich von New York wieder nach Deutschland zurückziehen, um wieder direkt mit Kunden zusammenzuarbeiten. Trotz der spannenden Erlebnisse, welche ich hier beschrieben habe, ist es aus meiner Sicht genau diese Zusammenarbeit, die den Beruf des Wirtschaftsprüfers so besonders, spannend und herausfordernd macht.

  • 29.01.2015 - Johannes, Moskau

    Für mich wird dies heute mein letzter Beitrag in unserem Blog. In den bisher veröffentlichten Beiträgen haben wir die Vielseitigkeit und Abwechslungsmöglichkeiten des Berufs aufgezeigt. Manchmal führen aber auch Umstände aus der außerberuflichen Sphäre dazu, dass der berufliche Weg sich diesen fügt und es zu Veränderungen kommt.

    Aufgrund der Unabhängigkeitsanforderungen an den Berufsstand, ist eine Tätigkeit oder Anstellung außerhalb des definierten Wirkungsgebietes eines Wirtschaftsprüfers grundsätzlich ausgeschlossen, solange der Titel geführt wird. Auch hier bietet der Beruf jedoch eine gewisse Flexibilität. Um für einen mittelfristigen Zeitraum eine berufsfremde Tätigkeit wahrnehmen zu können und dort den Erfahrungsschatz zu erweitern, ist es möglich, sich als Wirtschaftsprüfer beurlauben zu lassen. In dieser Zeit sind folglich jegliche, dem Berufsstand vorbehaltenen Tätigkeiten ausgeschlossen. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass zu Beginn der Beurlaubung die Absicht besteht, den maximalen Beurlaubungszeitraum von drei Jahren nicht zu überschreiten, bevor die Rückkehr in den Beruf erfolgt. Andernfalls und bei Überschreitung des maximalen Zeitraumes wird der Berufstitel aus oben genannten Gründen prospektiv widerrufen.

    Genau diesen Weg werde ich nun einschlagen. Die Ausbildung und Erfahrung, vom ersten Tag als Prüfungsassistent über das Berufsexamen und darüber hinaus in der Praxis, ist nach wie vor eine der besten, die es im Bereich des Finanzwesens gibt. Eine Beurlaubung vom WP-Beruf ermöglicht es, auf neue Umstände zu reagieren und die Erfahrung auch in anderen Bereichen zu vertiefen. In meiner neuen beruflichen Rolle werde ich inhaltlich dem Bereich Finanzwesen treu bleiben, dies jedoch als CFO (Chief Financial Officer) bei einem großen, weltweit aktiven Unternehmen. Die Nähe zur Materie der Rechnungslegung und Prüfung wird mir daher ebenso erhalten bleiben, wie die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfern. Eine großartige Herausforderung, auf die ich mich nun mit vollem Einsatz konzentrieren werde.

  • 05.12.2014 - Markus, London

    Kapitalmarktorientierte Unternehmen in der EU sind verpflichtet, ihren Konzernabschluss nach den Regeln internationaler Rechnungslegungsstandards (IFRS) aufzustellen. Die IFRS werden in einem oftmals lange andauernden Prozess unter Einbindung der Öffentlichkeit (sog. ‘due process’ ) von einem internationalen Standardsetzer (IASB) verabschiedet.

    Der IASB umfasst derzeit 14 Mitglieder unterschiedlicher Nationalitäten und tagt einmal monatlich öffentlich. Eine meiner Aufgaben ist es, diese Sitzungen in den „Besucherrängen“ zu verfolgen und anschließend eine Zusammenfassung der Sitzung für unsere externe Webseite IASPlus zu verfassen. In jeder Sitzung werden verschiedene laufende Projekte des IASB diskutiert.

    Die Projektideen bekommt der IASB durch eine alle drei Jahre durchgeführte Agendakonsultation. Zum einen werden dabei Themen identifiziert, zu denen es Regelungslücken in den Standards gibt und die Anwender deshalb die Einführung einer neuen Regelung wünschen. Zum anderen werden Anwendungsprobleme mit bestehenden IFRS aufgezeigt, die eine Überarbeitung der Standards erfordern. Diese Anwendungsprobleme werden dem IASB teilweise auch durch sein Interpretationskomitee (IFRS IC) zugetragen, dessen Sitzungen ich ebenfalls zusammenfasse.

    Ein neuer Standard oder eine Standardänderung wird vom IASB immer zunächst in einer Entwurfsfassung (dem sogenannten ‘Exposure Draft’) veröffentlicht. Die interessierte Öffentlichkeit kann nach der Veröffentlichung schriftlich Stellung zu diesen Entwürfen nehmen. Die Stellungnahmen werden daraufhin vom IASB ausgewertet und die Ergebnisse der Auswertung werden dann bei der Verfassung des finalen Standards oder der endgültigen Standardänderung berücksichtigt.

    Für Themen, zu denen es noch keine Bilanzierungsregeln gibt, werden vor Veröffentlichung eines Exposure Drafts meistens sogenannte Diskussionspapiere (‘Discussion Papers’) herausgegeben, die ebenfalls zur öffentlichen Stellungnahme freigegeben sind. Diskussionspapiere sind deutlich weniger festgelegt als Entwürfe und sind darauf ausgerichtet Informationen von den Anwendern zu erhalten. Entwürfe enthalten hingegen im Allgemeinen bereits die bevorzugte Lösungsmöglichkeit des Standardsetzers.

    In den Phasen vor und zwischen den einzelnen Veröffentlichungen (Diskussionspapier, Entwurf, endgültiger Standard bzw. Standardänderung) wird über mehrere Sitzungen hinweg diskutiert, was in der nächsten Veröffentlichung enthalten sein soll. Entscheidungen werden dabei mehrheitlich getroffen. Bei Großprojekten kann sich das eine Weile hinziehen. Die Diskussionen des IASB zu den Änderungen der Regelungen zur Leasingbilanzierung und Neuregelungen zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen dauern beispielsweise schon über ein Jahr an. Eine Finalisierung der Projekte soll dabei erst nächstes Jahr erfolgen. Dies wäre für ein Großprojekt verhältnismäßig schnell. Das „beschleunigte“ Projekt zur Überarbeitung der Bilanzierungsregeln für Finanzinstrumente hat beispielsweise ganze fünf Jahre beansprucht.

  • 06.11.2014 - Claudia, Augsburg

    Was hat ein Wirtschaftsprüfer mit dem Kauf einer Eigentumswohnung oder dem Abschluss eines Aktienfonds zu tun? In beiden Fällen wird der Zusammenhang nicht sofort klar, aber stets werden Vermögenswerte übertragen. Hier besteht Missbrauchsgefahr. Daher gibt es zum Schutz für den Anleger bzw. Investor die Maklerbauträgerverordnung (MaBV) und die Verordnung über die Finanzvermittlung (FinVermV). In diesen Regelwerken sind Mindeststandards hinsichtlich Aufklärungspflichten, Dokumentation, Trennung der Kundengelder etc. enthalten.

    An dieser Stelle kommt der Wirtschaftsprüfer zum Einsatz. Ihm obliegt u.a. die Überprüfung der Einhaltung dieser Pflichten. Gerade jetzt im Herbst bieten mir diese Aufträge eine angenehme Abwechslung zu den mittlerweile abgeschlossenen Jahresabschlussprüfungen 2013. Das Spannende an diesem Tätigkeitsfeld ist der Einsatz bei Mandanten, die ansonsten schon allein wegen ihrer Größe noch nie oder nur wegen dieser Prüfung Kontakt zu einem Wirtschaftsprüfer haben.

    Im Sommer erhielt ich eine Anfrage eines Neukunden, seine Prüfung gemäß § 24 FinVermV durchzuführen. Nachdem ich bisher in diesem Bereich noch nicht tätig war und vergangenes Jahr massive Neuregulierungen in der Finanzanlagevermittlung stattgefunden haben, bot sich kurzfristig eine Spezialschulung zu diesem Thema in München an. Dabei wurde mir klar, dass der Einarbeitungsaufwand hoch ist, aber die Spezialisierung interessant sein kann.

    Mir fällt immer wieder auf, dass z.B. bei Bauträgern in den entsprechenden Notarverträgen (Bsp. beim Verkauf einer Eigentumswohnung) sehr dezidiert auf die Anforderungen der MaBV und deren Pflichten hingewiesen wird, so dass das Wissen um diese Pflichten sehr präsent ist. Entsprechend gut habe ich die Dokumentation bei den Mandanten vorgefunden. Bei dieser Prüfung steht nicht die Bilanz, sondern vielmehr Bautagebücher, Baukostenkonten, sowie Abnahme- und Übergabeprotokolle im Vordergrund. Ich hätte während meines Studiums nie daran gedacht, solche Unterlagen zu prüfen. Das zeigt einmal mehr die Vielseitigkeit des WP Berufs. Auch nach Ablegen des Examens stehen die Türen offen für weitere Spezialisierungen durch Weiterbildung.

  • 07.10.2014 - Matthias, New York

    In der Wirtschaftsprüfung tätig zu sein, bedeutet für mich vor allem mit Menschen zusammen zu arbeiten. Auch wenn viele Leute vielleicht zunächst an den „Hakenmacher“ im Hinterzimmer denken, so könnte die Realität eigentlich nicht weiter davon entfernt liegen.

    Die Beziehung zum Mandanten steht dabei natürlich im Mittelpunkt, ob als unabhängiger Prüfer oder als helfender Berater. Angefangen beim Verständnis des Geschäftsmodells mit seinen Herausforderungen und Besonderheiten bis zum Einholen von Feedback über die eigenen Stärken und Schwächen. Das gilt für den Assistenten als auch für jeden einzelnen Senior Partner. Daher versuchen wir auf den verschiedenen Geschäftsreisen möglichst viele Vorstände, Aufsichtsräte und andere Stakeholder zu treffen. Dabei werden zum einen individuelle Themen des Mandanten besprochen, aber auch aktuelle Trends und Fragestellungen aus denen wiederrum spezifische Produkte entwickelt werden können. Jeder einzelne Termin geht zwar meistens nur eine Stunde, erfordert aber intensive Vor- und Nachbereitung mit den Teams vor Ort sowie anderen Spezialisten.

    Genauso wichtig ist die Beziehung zu Kollegen. Laut Redensart kann der deutsche Wirtschaftsprüfer zwar alles (zumindest beim Lernen auf das Berufsexamen kommt es einem so vor), in der Praxis ruft man dann aber häufig die jeweiligen Spezialisten hinzu. Daneben ist genauso die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg wichtig, da viele Mandantenprobleme globaler Natur sind. Die entsprechende Vernetzung ergibt sich einmal durch das gemeinsame Arbeiten, über gemeinsame Schulungen und andere Veranstaltungen. Die Mitarbeit an den Inhalten von globalen Veranstaltungen fällt ebenfalls in den Verantwortungsbereich des Chairman Offices. Mit Teilnehmerzahlen von teilweise über 1.000 Partnern und Mitarbeitern und Veranstaltungsorten wie Peking, dem Silicon Valley oder Seoul, stellen diese natürlich auch eine spannende Abwechslung zum restlichen Berufsalltag dar.

  • 08.09.2014 - Johannes, Moskau

    Busy auch abseits der Busy Season

    Die Zeit mit der höchsten Dichte an Jahresabschlussprüfungen, in der Branche auch "Busy Season" genannt, liegt in der Regel zwischen November und März. Dies ist natürlich eine stark verallgemeinerte Aussage – je nach Art und Größe der Mandanten und ggf. rechtlicher Rahmenbedingungen kann dies im Einzelfall ganz anders aussehen. Für Wirtschaftsprüfer bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ist es in jedem Fall von Bedeutung, neben reinen Jahresabschlussprüfungen auch sonstige, prüfungsverwandte Projekte zu gewinnen. Dies nicht nur um die Ressourcen in den Monaten außerhalb der "Busy Season" sinnvoll einzusetzen, sondern auch um regelmäßig für ein wenig Abwechslung im Berufsalltag zu sorgen. Durch stetig steigende Anforderungen an Entscheidungsträger und Aufsichtsorgane von Unternehmen gewinnen ohnehin die über die reine Jahresabschlussprüfung hinausgehenden Prüfungstätigkeiten, etwa im Bereich Compliance, zunehmend an Bedeutung.

    Aus der Praxis

    Hier ein konkretes Beispiel für solch ein Projekt außerhalb der Hauptsaison aus meiner Zeit in Moskau: Wir wurden von den Verantwortlichen eines deutschen Unternehmens kontaktiert, bei dem infolge eines Geschäftsleitungswechsels bei einer russischen Tochtergesellschaft gewisse Unregelmäßigkeiten ans Licht gekommen waren bzw. in Form von anonymen Hinweisen gemeldet wurden. Diesen wollten die deutschen Inhaber nun nachgehen. Aufgrund der guten Ausbildung, der Berufserfahrung und dem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit ist ein Wirtschaftsprüfer für derartige Projekte oft die erste Wahl aus Sicht der möglicherweise geschädigten Eigentümer. Im angesprochenen Fall bestand unser Team zudem aus erfahrenen Rechtsanwälten, um alle relevanten Bereiche fachlich gut abdecken zu können.

    Derart aufgestellt haben wir uns gemeinsam mit den deutschen Ansprechpartnern die anonymen Hinweise genau angesehen und einen Plan erarbeitet, mit welchen Prüfungshandlungen und durch gezielte Befragung welcher Personen in der russischen Tochtergesellschaft Beweise erlangt oder die Anschuldigungen entkräftet werden könnten. Obwohl das russische Unternehmen bis dato kein Prüfungsmandat war, d.h. wir vorab keine Details kannten, und trotz sehr begrenzter Ermittlungszeit vor Ort, war unsere Tätigkeit ein voller Erfolg. Ein Teil der Anschuldigungen wurde bestätigt, ein anderer entkräftet. Über den Bericht hinaus konnten wir im weiteren Verlauf durch das Vorschlagen konkreter Maßnahmen einen künftigen Mehrwert für die Eigentümer schaffen, damit derartige Vorkommnisse in Zukunft besser unterbunden werden können.

    Für alle Involvierten war dieser Job eine interessante Erfahrung und Abwechslung in der etwas ruhigeren Jahreshälfte. Die gewonnen Erkenntnisse können selbstverständlich bei der Setzung von Prüfungsschwerpunkten und Prüfungsplanung bei anderen Jahresabschlussprüfungen in der nächsten "Busy Season" eingesetzt werden – denn diese kommt gewiss.

  • 08.08.2014 - Markus, London

    Unserer globalen IFRS-Fachabteilung, dem IFRS Global Office in London, werden aus aller Welt IFRS-Fragen zugetragen, zu denen wir Stellung nehmen. Die Kollegen aus dem Ausland sind zumeist Abschlussprüfer. Oftmals wenden sich Mandanten schon frühzeitig an unsere Kollegen, um die bilanziellen Konsequenzen zu klären. Dies ist der Fall, wenn eine größere bzw. ungewöhnliche Transaktion geplant ist oder gerade abgewickelt wurde. Das trägt dazu bei, unangenehme Überraschungen bei der Abschlussprüfung zu vermeiden. Manchmal fallen solche Sachverhalte allerdings erst auf, wenn der Abschluss vom Mandanten bereits erstellt wurde. Dann muss die Klärung meistens schnell gehen.

    Den Sachverhalt bereiten die Kollegen zusammenfassend für uns auf. Die Darstellung der Faktenlage beschränkt sich dabei auf Aspekte, die für die Rechnungslegung eine Rolle spielen. Basierend auf den Fakten werden die Fragen nach der Bilanzierung gestellt und eine erste Einschätzung von den Kollegen vor Ort auf Basis der bestehenden Standards abgegeben. Unsere Aufgabe ist es, zu dieser Anfrage Stellung zu nehmen.

    Für unsere Kollegen bin ich grundsaetzlich die erste Anlaufstelle. In der Regel sind die Fragestellungen komplex bzw. die Vorschriften in den IFRS für diese Fälle nicht eindeutig. Nachdem ich mir einen Eindruck über den Sachverhalt verschafft habe, versuche ich die Bilanzierungsfrage anhand der IFRS-Standards zu lösen. Da diese eher prinzipienorientiert sind und somit oft Spielraum für Interpretationen lassen, nehme ich unser internes Accounting Manual sowie unseren IFRS-Kommentar (iGAAP) zu Hilfe. Meine vorläufige Einschätzung wird im Anschluss daran abteilungsintern diskutiert. Diese Diskussion ist die Basis für meine finale Stellungnahme, die schlussendlich dem Prüfungsteam vor Ort mitgeteilt wird.

    Sollte das Global Office einmal nicht zu einer Lösung kommen, so wird von uns eine Vorlage für das Global IFRS Leadership Team von Deloitte entwickelt, auf deren Basis eine Entscheidung getroffen wird.

  • 23.07.2014 - Claudia, Augsburg

    In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit Data-Mining beschäftigt, also der Technik, aus großen Datenstrukturen Informationen zu filtern und zu analysieren.

    Die Technik ist in etwa vergleichbar mit einer Suchmaschine. Im Unterschied dazu sind die Abfragen komplexer und die Strukturen werden beispielsweise von der Gewinn- und Verlustrechnung bestimmt. Jeder kann sich vorstellen, dass in eine Gewinn- und Verlustrechnung eines prüfungspflichtigen Unternehmens sehr viele Einzeltransaktionen bzw. Geschäftsvorfälle eingehen.

    Kein größeres Unternehmen ist ohne eine ausgeprägte IT-Landschaft mehr denkbar. Es ist daher immer mehr zur Selbstverständlichkeit und auch zur Pflicht eines Wirtschaftsprüfers geworden, die IT-Systeme und die IT-Infrastruktur vor allem durch Datenanalysen und Untersuchung der internen Kontrollen zu prüfen. Dabei ist die Analyse des Jahres-Buchungsjournals ein wichtiges Vorgehen.

    In der Praxis erhalte ich vom prüfungspflichtigen Unternehmen zunächst eine Kopie der relevanten Datenbanken. Dateigrößen von über 1 GB sind dabei nicht selten. Im ersten Schritt lege ich die Prüfungsabfragen fest, z. B. Transaktionen an Sonn- und Feiertagen oder zu ungewöhnlichen Uhrzeiten, Buchungen von Personen, die normalerweise nicht oder selten buchen oder Buchungen mit glatten, hohen Beträgen. Hier geht es noch nicht um die Technik, sondern um mein Prüfungsziel. Erst danach kann ich diese  konkreten Fragestellungen in SQL Queries an die jeweilige Datenbank umsetzen. Aus den Abfrageergebnissen ergeben sich meist aufgrund von Auffälligkeiten oder in weiteren Gesprächen neue Analysehandlungen. Ich bin hier oft selbst überrascht, wie viele Datenbanken z. B. eine Bestellung auslöst und wie viele Abfragen zur Rückverfolgung der Transaktion notwendig sind. Dies liegt insbesondere am relationellen Datenbanksystem, das heute der Standard ist. Ohne eine Übersicht der Verknüpfungen zwischen den Datenbanken kann ich als Prüfer nur schwer Informationen filtern. Spätestens hier entscheidet sich, ob der Softwarehersteller oder die Mitarbeiter im Unternehmen ihre IT-Landschaft „im Griff“ haben.

    Wie auch bei Suchmaschinen kann durch die Massendatenanalyse eine hohe Effizienz erreicht werden. Zudem erhöht sich meine Prüfungssicherheit, weil sich meine Prüfung über deutlich mehr Geschäftsvorfälle als bei bloßer Belegprüfung bezieht. Die Effizienz erfordert aber entsprechende IT Kenntnisse des Wirtschaftsprüfers. Je nach Komplexität des Systems entscheide ich, ob ich die Analysen an zertifizierte Dienstleister vergebe oder selbst durchführe. Ich finde es jedoch sehr spannend, direkt in Datenbanken auf „Entdeckungsreise“ zu gehen.

  • 30.06.2014 - Matthias, New York

    Unverhofft kommt oft!! Anstatt zwei Jahre in Hong Kong zu verbringen, werde ich nach erst vier Monaten die restliche Zeit meines Assignments in unserem New Yorker Office arbeiten. Was faszinierend klingt, hat leider einen ernsten Hintergrund. Aufgrund einer Erkrankung unseres Global Chairman, musste früher als geplant sein Nachfolger gewählt werden. Dessen Team sitzt nun in New York und damit in einer Stadt, die genauso aufregend ist wie Hong Kong. Zudem war es uns privat möglich und so zogen wir nach nicht einmal einem halben Jahr erneut um, nachdem wir die obligatorischen Visumanträge gestellt hatten und unser Hab und Gut wieder in Kisten verpackt hatten.

    Seit Mai sind meine Frau und ich nun in New York. Privat ist ein Umzug in so kurzer Zeit eine ganz schöne Herausforderung, insbesondere wenn die berufliche Tätigkeit in der Zwischenzeit unverändert weitergeht. Die verschiedenen Sitzungen der Leitungsgremien sind langfristig geplant und finden wie vorgesehen statt. Aufgrund des Wechsels kommen neue Themen auf die Agenda, welche vor- und nachbereitet werden müssen. Auch der Ablauf der Meetings verändert sich entsprechend der persönlichen Vorstellungen.

    Die letzten Wochen haben mir viele kulturelle Erkenntnisse gebracht, von denen ich berichten möchte. Der Abschied aus Hong Kong wurde mir vom chinesischen Team nicht einfach gemacht. Lange Abschiedsessen, gegenseitige Geschenke und viele Fotos waren für alle Seiten wichtig. Die Ankunft in den USA war auch herzlich, aber doch deutlich arbeitsbezogener. Auch glaube ich, dass unsere Arbeit durch den stärkeren amerikanischen Einfluss ergebnisorientierter geworden ist: Projekte werden schneller implementiert, aus den ersten Erfahrungen dann Lerneffekte gezogen und umgesetzt.

    Eine meiner Reisen hat mich außerdem zum ersten Mal nach Japan gebracht – was ebenfalls faszinierende Einblicke ermöglicht hat. Die hohe Bedeutung von Hierarchie, Harmonie und Zeremonie! So scheint der Ablauf einer Begrüßung oder Verabschiedung streng geregelt zu sein. Entsprechend kann diese auch über eine Stunde dauern. Die Bedeutung von Hierarchie habe ich an der gemeinsamen Festlegung eines Sitzplans erlebt. Kleinere Anpassungen meinerseits haben zu großen Sorgenfalten auf der Gegenseite geführt. Anscheinend hatte ich das Ordnungsgefüge schwer durcheinander gebracht, was nur durch weitere Korrekturen von japanischer Seite halbwegs geheilt werden konnte. Meine Vorschläge ablehnen, war ebenfalls nicht möglich, da ich ja zur Gästeseite gehörte und somit ein Nein nicht in Frage kam. Als ich dies gesehen habe, habe ich natürlich von weiteren Anpassungsvorschlägen abgesehen.

    Insgesamt sind es tolle Erfahrungen. Vieles ist nicht überraschend und war mir aus Büchern auch schon bekannt. Aber das kulturelle Zusammentreffen praktisch zu erleben, kann durch nichts ersetzt werden

  • 06.06.2014 - Johannes, Moskau

    Strasdwudje! Seit September 2011 habe ich das deutsche "Guten Morgen" gegen die russische Grußformel getauscht, als ich damals aus dem Rheinland mit vier Koffern nach Moskau umgezogen bin. Zunächst noch als Manager für eine andere Prüfungsgesellschaft begann damit für mich eine spannende, erlebnisreiche, arbeitsreiche und alles verändernde Zeit in Moskau. Sowohl in meiner alten, als auch in meiner neuen Position als "Head of International Accounting and Reporting Group" bei
    Rödl & Partner in Moskau, ist das Hauptziel meiner Arbeit vor Ort das gleiche: die Betreuung deutscher und internationaler Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Russland – und zwar mit der Qualität und Professionalität, wie sie in deren Heimatländern von einem Wirtschaftsprüfer erwartet wird.

    Der theoretische Ablauf einer klassischen Jahresabschlussprüfung ist wahrscheinlich in der ganzen Welt und unternehmensübergreifend ähnlich. Die Rahmenbedingungen und Mindestanforderungen an Wirtschaftsprüfer sind ebenfalls – zumindest im Fall von Russland – relativ nah an den deutschen. Es sind vor allem die kulturellen Unterschiede, die die Arbeit hier so spannend machen. Als WP hier zu arbeiten bedeutet demnach neben der reinen Prüfung vor allem auch verschiedene Denkweisen im Umgang mit komplexen Sachverhalten schnell zu begreifen oder bestenfalls zu antizipieren, Vermittler zu sein, Qualitätssicherung zu betreiben – und Motivator zu sein, Dinge richtig zu machen: "Warum muss denn immer alles so typisch deutsch (korrekt) sein?" Die Frage höre ich zwar selten, non-verbal wird sie mir allerdings mehrmals täglich gestellt.
    Andere "Expats", wie im Ausland auf Entsendung lebende Fachkräfte oft genannt werden, und europäische sowie amerikanische Unternehmen wissen es jedoch oft sehr zu schätzen, einen gleichgesinnten Ansprechpartner vor Ort zu haben. Natürlich hat die Arbeit hier nichts mit Entwicklungshilfe zu tun. Die russische Wirtschaft und besonders große oder mittelgroße russische Unternehmen stehen vergleichbaren westlichen Märkten bzw. Unternehmen in vielerlei Hinsicht in nichts nach – ohne natürlich gewisse politische und kulturelle Unterschiede beispielsweise in der generellen Haltung zu Korruption ausblenden zu wollen. Schätzungsweise über 6.000 deutsche Unternehmen sind in Russland aktiv und machen dort teilweise hochprofitable Geschäfte – auf saubere Art und Weise. Der Markt bietet nach wie vor sehr großes Potenzial, gerade für westliche Unternehmen und westliche Marken.

    Die erfolgreichsten Unternehmen, die ich hier bereits kennengelernt habe, sind dies meist aufgrund der richtigen Mischung an Führungskräften und einer Firmenkultur des gegenseitigen Respekts. Ein erfolgreiches und häufig gesehenes Konzept ist daher – stark verallgemeinert gesprochen – ein russischer Generaldirektor, mit einem Expat als Finanzdirektor. Natürlich im besten Fall mit einem gut ausgebildeten Berater als Sparringspartner, der wiederum ein starkes lokales Team um sich herum hat. Eine tolle Herausforderung für einen deutschen WP.

  • 16.05.2014 - Markus, London

    Ich widme mich seit vier Jahren beruflich den International Financial Reporting Standards (IFRS). Was das ist? Die IFRS sind Bilanzierungsregeln, die vom International Accounting Standards Board (IASB) verabschiedet werden, denn die EU verpflichtet kapitalmarktorientierte Unternehmen, ihren Konzernabschluss nach diesen Rechnungslegungsvorschriften aufzustellen.

    Da die meisten großen Unternehmen in Deutschland kapitalmarktorientiert sind bzw. die IFRS freiwillig anwenden, haben die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften IFRS-Fachabteilungen: Diese unterstützen Prüfungsteams bei ihrer täglichen Arbeit, halten Mandanten über Neuerungen auf dem Gebiet auf dem Laufenden (IFRS sind ein dynamisches Regelwerk) und begleiten die Weiterentwicklung der IFRS. Ich selbst war bis vor kurzem Mitarbeiter in unserer deutschen IFRS-Fachabteilung, zuvor habe ich mich einige Jahre mit der Jahres- und Konzernabschlussprüfung von kleinen bis mittelgrossen Unternehmen beschäftigt.

    In den nächsten eineinhalb Jahren arbeite ich in unserer globalen IFRS-Fachabteilung (IFRS Global Office) in London – solche länderübergreifende Abteilungen werden bei internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften eingerichtet, um eine konsistente Anwendung der IFRS sicherzustellen bzw. einheitlich gegenüber globalen Institutionen aufzutreten, die Standards erstellen bzw. beim Prozess mitwirken. Zu meinen Hauptaufgaben gehört die Koordination internationaler Publikationen zu IFRS und umfasst die Planung, Entwurf und Betreuung von Newslettern bis hin zur Veröffentlichung auf unserer Homepage. Somit setze ich mich mit nahezu allen Neuerungen auf dem Gebiet der IFRS bereits während des „Gesetzgebungsprozesses“ auseinander. Viele dieser Neuerungen werden auch erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland in Kraft treten. Des Weiteren beantwortet das IFRS Global Office Fachfragen, die uns weltweit zugetragen werden. Das wird aber Thema meines  nächsten Blogs sein.

  • 23.04.2014 - Claudia, Augsburg

    Seit Gründung meiner WP-Gesellschaft sind nun 1,5 Jahren vergangen und ich kann auf viele Meilensteine zurückblicken. Jede Firmengründung beginnt mit einer Sondierung des Marktes und der Kundenzielgruppe. Ausgehend von meinen beruflichen Erfahrungen bei KPMG, wollte ich mich gezielt kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) aus der Region zuwenden. Diese Ausrichtung findet sich jetzt im Firmennamen KMU Audit Bayern GmbH WPG wieder.

    Meine ersten Mandate konnte ich durch Ausgliederung der Wirtschaftsprüfung einer bestehenden Steuerkanzlei übernehmen. Besonders spannend waren jeweils die Erstgespräche mit meinen Neumandaten, in denen ich ausgehend von den Prüfungsgrundsätzen meinen Prüfungsansatz erläutern konnte. Im Unterschied zu meinen bisherigen Prüfungen in Großunternehmen fand ich es sehr aufschlussreich, jetzt überwiegend mit den Gesellschaftern (und oftmals Firmengründern) direkt im Gespräch zu sein. So stehen nicht nur überwiegend auftragsbezogene Prüfungsthemen im Vordergrund, sondern der Dialog geht oft schnell in die Breite und ich bin geschätzter Ansprechpartner in den Gebieten Steuerrecht oder Unternehmensfinanzierung.

    Besonders viel Zeit verbrachte ich am Anfang der Prüfungen für das Kennenlernen der Unternehmensabläufe und -prozesse direkt in den Betrieben und für Gespräche mit Führungskräften. Die Aussage „der Wirtschaftsprüfer beschäftigt sich mit den Zahlen in der Bilanz“ ist extrem reduziert. Es gilt ein Gesamtverständnis für das Unternehmen aufzubauen und zu wissen, wie die Zahlen in die Bilanz kommen. Insbesondere für die Prüfung des Lageberichts, die Bewertung der Rückstellungen und das Identifizieren von sonstigen Risiken war es essentiell, diese Zeit zu investieren. Darüber hinaus konnte ich zahlreiche Verbesserungsansätze zur Diskussion stellen, meinen Prüfungsansatz weiter spezifizieren und den Mehrwert einer Prüfung unter Beweis stellen.

    In den letzten Wochen führte ich Jahresabschlussprüfungen von Tochtergesellschaften eines internationalen Konzerns durch. Dabei war ich mit meinem Prüfungsteam überwiegend vor Ort beim Kunden. Wir erstellten einerseits die englischsprachigen Berichtspakete nach IFRS an den Konzernabschlussprüfer und andererseits die Prüfungsberichte nach HGB. Bei dieser Art von Prüfungsaufträgen gilt es nicht nur die handelsrechtlichen Vorschriften, die IFRS und die Grundsätze des IDW zu beachten, sondern auch die „Audit Instructions“ des Konzernabschlussprüfers und die Konzern-Bilanzierungsrichtlinien müssen umgesetzt werden.

  • 01.04.2014 - Matthias, Hongkong

    Als Wirtschaftsprüfer habe ich in den letzten Jahren vor allem börsennotierte Konzerne nach HGB und IFRS geprüft. In den kommenden beiden Jahren werde ich in Hong Kong und New York im Global Chairman Office arbeiten. Der Global Chairman wird durch die Vertreter der Landesgesellschaften gewählt, um das weltweite Netzwerk zu führen und nach außen zu vertreten. Meine Aufgabe besteht darin, ihn in seiner täglichen Arbeit zu unterstützen, Termine vor- und nachzubereiten, Sitzungen der verschiedenen Gremien zu organisieren und verschiedene Projekte voranzutreiben.

    Eine meiner ersten Aufgaben bestand darin, einen Besuch bei einer der Landesgesellschaften vorzubereiten. Drei Termine vor Ort standen auf der Agenda, darunter eine Präsentation vor dem lokalen Vorstand zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, über unsere globale Strategie und abschließend die entsprechenden Auswirkungen auf das betroffene Land. Das World Economic Forum in Davos war gerade zu Ende gegangen: Die wirtschaftlichen Trends somit schnell zusammengetragen: Chinas Reformagenda und die erwartete Reindustriailisierung in den USA, Auswirkungen einer restriktiveren Geldpolitik und möglicher neuer Freihandelszonen sowie Potential und Risiko von Big Data und der Industrialisierung des Internets ( Link ).

    Aber was haben diese Aufgaben mit der Tätigkeit eines Wirtschaftsprüfers zu tun? Werde ich das hier Gelernte später in Deutschland jemals anwenden können? Als Wirtschaftsprüfer begleitet man den Mandanten bei vielen Themen und braucht daher ein entsprechendes Verständnis in verschiedensten Bereichen. Da ich vor allem weltweite Konzerne betreut habe, ist für mich ein Verständnis der wirtschaftlichen Entwicklung sehr wichtig. Sei es im Rahmen der Prüfung, um Transaktionen im Ausland besser einschätzen zu können oder aber im Austausch mit dem Mandanten, die häufig die unabhängige Einschätzung ihres Wirtschaftsprüfers zu aktuellen Entwicklungen schätzen. Außerdem arbeiten bei der Prüfung eines Konzernabschlusses viele Prüfer auf der ganzen Welt zusammen. Hier ist es immer von Vorteil, wenn man möglichst viele Prüfer schon einmal persönlich getroffen hat oder zumindest die Besonderheiten in den verschiedenen Prüfungsteams kennt. Für mich werden die kommenden zwei Jahre hierfür eine tolle Möglichkeit sein.

  • 27.03.2014 - Auf los geht's los!

    Herzlichen Willkommen auf unserem Blog!

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    An dieser Stelle werden wir ab April in regelmäßigen Abständen über unsere Erfahrungen aus dem Berufsleben als Wirtschaftsprüfer berichten.